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Zum Abschluss meiner 14-jährigen Amtszeit als Schul- und Kulturdezernent  in Bremerhaven zog ich "eine Art Bilanz" in drei Reden, nämlich


1. "Praxisschock schon in der ersten Woche" - Kultur- und Bildungspolitik zwischen Theorie und Praxis. Ein subjektiver Rückblick.

vgl. folgenden Link der Stadt Bremerhaven

http://www.bremerhaven.de/meer-erleben/stadt-haus/pressemitteilungen/2006/10/31/dokumentation-stadtrat-prof-dr-weiss-die-bilanz-seiner-amtszeit.20151.html#Text2


2. "Bildung als Investition in die Zukunft" - ein persönlicher Brief an die Kolleginnen und Kollegen in den Schulen.
http://www.bremerhaven.de/meer-erleben/stadt-haus/pressemitteilungen/2006/10/31/dokumentation-stadtrat-prof-dr-weiss-die-bilanz-seiner-amtszeit.20151.html#Text1


3. "Niemand rüttelt mehr am Stadttheater" - über das Glück der Anstrengung, der Leidenschaft und Faszination, wie es nur die Kunst, speziell das Theater vermitteln kann.
http://www.bremerhaven.de/meer-erleben/stadt-haus/pressemitteilungen/2006/10/31/dokumentation-stadtrat-prof-dr-weiss-die-bilanz-seiner-amtszeit.20151.html#Text3


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Einige Berichte und Fachartikel bzw. Manuskripte zu Vorträgen, die von mir in letzter Zeit insbesondere zu verschiedenen kultur- und bildungspolitischen Fragestellungen gehalten wurden, finden Sie unter folgenden Links: 


http://www.gew.de/Chancen_und_Risiken.html


http://www.gew.de/Binaries/Binary71239/Kurzf_neu_Gutachten_Kommunale_Bildungslandschaften.pdf

http://www.ganztagsschulen.org/12813.php

http://www.gew-bremen.de/Kommunale_Bildungslandschaften.html?printversion=1

http://www.zfs-online.org/index.php/zfs/article/viewFile/2265/1802

http://www.gew-thueringen.de/Binaries/Binary7518/tz201001_Kommunalisierung.pdf

 http://www.difu.de/node/6861

http://www.difu.de/publikationen/2009/kommunale-bildungspolitik.html



...  ... ... wird noch ergänzt.

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Nachfolgend der Abdruck eines Artikels, basierend auf einem Vortrag, den ich 2007 bei der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel zur Problematik der Kultur-Evaluation gehalten habe.
 
In erweiterter Fassung erschienen in: Karl Ermert (Hg): „Evaluation als Grundlage und Instrument kulturpolitischer Steuerung“, Wolfenbütteler Akademie-Texte, Band 34, Wolfenbüttel 2008, S. 109 - 121. - Vgl. auch Wolfgang W. Weiß: Exzellenzinitiativen für das Theater? Anmerkungen zu Evaluationsbemühungen zwischen Politik und Kunst.“.                                                                                
 


                                                                          

Wolfgang W. Weiß  
 


 
Evaluation der Kultur-Evaluation?
oder:
Ist Kultur messbar?
      



1. Subjektive Erfahrungen


Insgesamt 24 Jahre war ich im kommunalen Bereich als Institutsleiter, Kulturdirektor und zuletzt  anderthalb Jahrzehnte als Schul- und Kulturdezernent tätig. In dieser Zeit hatte ich mehrfach mit Evaluation bzw. mit Untersuchungen und Gutachten zu bildungs- und kulturpolitischen Fragen zu tun. In der Regel wurden damit externe Berater beauftragt, früher unter den Stichworten Erfolgskontrolle und Kulturentwicklungsplanung, später setzte man mit dem Qualitätsmanagement einen neuen Akzent, der sich mittlerweile, angesichts des  allgegenwärtigen Evaluationsgebots, nochmals verschoben hat. Doch immer ging es dabei um den Versuch, nicht nur Verwaltungsabläufe zu optimieren, sondern auch die eigenen Zielsetzungen zu hinterfragen, ja sie manchmal überhaupt erst bewusst zu machen, um auf dieser Basis neue Perspektiven mit entsprechenden Strukturentscheidungen für die eigene Kultur- und Bildungsarbeit zu entwickeln. 

Bilanzierend kann ich, auch mit dem Blick auf die Erfahrungen vieler meiner Kollegen, sagen, dass nur in Ausnahmefällen die Empfehlungen der Gutachter politisch umgesetzt wurden, was sich offenbar mit den Erfahrungen der meisten Teilnehmer an unserer Evaluationstagung deckt.  Zur Begründung wurde häufig auf die beengten Finanzverhältnisse verwiesen, manchmal auch auf inzwischen veränderte politische Mehrheitsverhältnisse, oder dass die Handlungsempfehlungen der Gutachter nicht dem Willen der politischen Mehrheit im Kommunalparlament entspräche. Gelegentlich gab man auch ein neues Gutachten in Auftrag, dessen Ergebnisse die vorausgegangenen in die Aktenschränke und Archive verbannte. Manchmal entsprachen die Ergebnisse der neuen Gutachten dann eher dem politischen Mehrheitswillen.  
 

Trotzdem, das möchte ich betonen, zeigten die verschiedenen Evaluationsprojekte durchaus Wirkung, häufig sogar eine ausgesprochen positive:
 

-
Es gab einen höchst lebendigen Diskurs über Ziele, Wirkungen und Perspektiven der Kulturinstitutionen bzw. der Kulturpolitik – ein Diskurs, den insbesondere die „Kulturleute“ intensiv führten. 

-
Dabei wurden in der Regel die Kriterien für kulturpolitische Entscheidungen offengelegt, zum Teil auch erst ins (öffentliche) Bewusstsein gerückt und gegeneinander abgewogen. 

-
Fast immer gab es auch Hinweise auf Defizite in Betriebsabläufen und Kommunikationsstrukturen innerhalb und zwischen den betreffenden Institutionen, die vorher so nicht registriert worden waren. 

-
Durch die öffentliche Diskussion entstand erheblicher Druck zugunsten des Kulturbereichs, ein Druck, dem Verwaltung, Politik und Kulturpraxis gleichermaßen ausgesetzt waren. Diese Spannungen boten eine Chance nicht nur zu fruchtbarer interinstitutioneller Kommunikation, sondern auch zu Transparenz, Partizipation und Innovation...

-
... und diese Chancen wurden durchaus genutzt. Wie erwähnt sahen die Ergebnisse dann allerdings meist anders aus als von den Gutachtern empfohlen. 



Ein Beispiel aus meinem eigenen Dezernat: Aufgrund der höchst bedrängten Finanzlage Bremerhavens sollte unser Stadttheater umstrukturiert bzw. eine Sparte geschlossen werden. In einem Gutachten wurden verschiedene Aspekte analysiert. Dadurch gewann man zunächst einmal nicht nur Zeit, sondern konnte in der öffentlich heftig geführten Diskussion zugleich deutlich machen, welche nicht nur kulturelle, sondern auch wirtschaftliche Bedeutung unser Theater für Stadt und Region hat und wie sehr die Bürger hinter ihrem Theater stehen, was sich auch in einer bemerkenswerten Spendenaktion ausdrückte. Um es abzukürzen: heute gut ein Jahrzehnt später verfügt Bremerhaven nicht nur über ein rundum saniertes Dreisparten-Haus, sondern zusätzlich noch über ein Gastspieltheater, alles gut ausgelastet und bestens renommiert
.
 

 Aus diesem Fallbeispiel wird deutlich, dass die zentrale Bedeutung solcher Studien nicht unbedingt aus den Erkenntnissen über die Effizienz von Betriebsabläufen usw. besteht, sondern in ihrer politischen Wirkung.  Dies lässt sich bestens an der bislang wohl umfassendsten Effizienz­untersuchung des Bildungsbereichs ablesen, der sog. PISA-Studie, die eine kaum überschaubare Fülle von unerwarteten Erkenntnissen über Sozial-Effekte und daraus wohlbegründete Handlungsempfehlungen für Bildungsentwicklung, Schule und Unterricht erbrachte.  

Doch die entscheidende Bedeutung von PISA lag zweifellos in ihrer politischen Wirkung. So unterschiedlich die mit Verweis auf PISA durchgeführten Reformen in den einzelnen Bundesländern auch waren, die Richtung ist allenthalben dieselbe: Man stellt wieder deutlich mehr Geld für Bildung, nebenbei bemerkt dem bedeutsamsten Kulturbereich, zur Verfügung. Überall werden Ganztagsschulen eingerichtet, Sprachdiagnostik- und -förderprogramme durchgeführt usw. – Maßnahmen, die hochwichtig und sinnvoll sind, sich aber keineswegs direkt aus den PISA-Ergebnissen ableiten lassen, sondern sich aus der entsprechenden politischen Diskussion ergeben haben.  
 

Kurz gesagt: Evaluationsstudien erbringen im Kultur- und Bildungs­bereich zwar häufig wichtige Stichpunkte für Strukturoptimierung und Qualitätsmanagement, in der Praxis jedoch kommen die gewonnenen Ergebnisse oftmals gar nicht zur Anwendung. Erst der öffentliche Diskurs im Spannungsfeld von Kultur und Politik verleiht diesen Studien eine oft erhebliche Wirkung.
 

Allerdings sind mit diesem Prozess auch Gefahren verknüpft, Gefahren die, jenseits aller positiven Effekte, häufig im Mittelpunkt öffentlicher Evaluationsdiskussion stehen.

  
 

2. Gefahren „objektiver Verfahren“

 
(...)                                                                                              

Dass Evaluation nicht nur aufgrund der oben dargestellten Chancen für Strukturverbesserungen zur Zeit en vogue ist, erfährt, wer sich tiefer in die Kulturdebatten der Kommunalparlamente begibt, wo immer häufiger Ergebnisse entsprechender Gutachten präsentiert und erörtert werden. Böse Zungen sprechen hier von einer „Kienbaumisierung“ der Kulturpolitik, womit die Richtung der öffentlichen Debatte meist bereits vorgezeichnet ist, eine Debatte, die in den meisten Kommunen ähnlich abläuft: 

 

Sobald sich die Evaluationsstudie dem Abschluss zuneigt, gar schon eine Entwurfsfassung vorliegt, beginnen in der Regel die öffentlichen Diskussionen, meist durch Vorabveröffentlichung von Einzelergebnissen in der Lokalpresse, der eine Fassung von interessierter Seite zugespielt wurde. Dann melden sich die Kulturleute zu Wort, vor allem diejenigen, die gehört haben, dass sie von Kürzungen bedroht sind, es folgen die Oppositionsparteien, die deutlich machen, dass zwar gespart werden muss, aber „so nicht“, während die stadtregierenden Koalitionsvertreter erst einmal die offiziellen Ergebnisse abwarten wollen, parteiintern aber schon heftige Schlachten geschlagen werden, ob das Gutachten wirklich so und ob nicht andere Vorschläge, ... schließlich sei man doch Auftraggeber usw.

 

Doch natürlich können die Gutachter nun nicht ihre Ergebnisse und Empfehlungen grundsätzlich ändern, höchstens, dass, auf Wunsch des Auftraggebers, für die Endfassung hier und da Einzelaussagen abgemildert bzw. anders akzentuiert werden oder ins Kleingedruckte bzw. in den Anhang verschwinden.

 

Wenn die Endfassung dann in Parteigremien, Ausschüssen, Bürgerversammlungen usw. präsentiert werden, verlaufen die Diskussionen fast immer höchst kontrovers, da die Beteiligten ganz unterschiedliche Interessen damit verknüpfen:

 

- Die Künstler wollen das reiche Kulturleben der Stadt erhalten, natürlich unter besonderer Berücksichtigung ihrer eigenen Sparte, im Grunde aber dürfe man im gesamten Kulturbereich nichts kürzen, zumal man schon seit Jahren durch vielfältige Sparmaßnahmen gebeutelt sei.

 

- Die Politiker erhoffen sich Hinweise und Argumente, wie man das reiche Kulturleben zwar erhalten, aber trotzdem durch „Synergieeffekte“, „Effizienzsteigerungen“ usw. Geld einsparen könne, am liebsten würden sie gleich eine konkrete Einsparsumme hören, die man im Haushalt ohnehin gezwungen sei einzubringen.

 

- Die Gutachter wollen auf politische Fragestellungen differenzierte Antworten geben, die mit soliden sozialwissenschaftlichen Erhebungsmethoden gewonnen wurden, wollen aber auch neue Aufträge bekommen.

 

Angesichts dieser unterschiedlichen Interessenlagen und Frage­stellungen der Betroffenen, die sich oft auch in unterschiedlicher Sprache äußert, kommt es zu vielerlei Missverständnissen. Denn die entgegengesetzten Interessen werden erstaunlich selten thematisiert. Statt dessen verlagert sich die Debatte meist erst einmal auf Methodisches: Insbesondere die Oppositionsparteien, aber auch die kulturinteressierten Bürger weisen - mit Blick auf evtl. drohende Sparmaßnahmen - auf statistische Ungereimtheiten, entgegengesetzte Erfahrungen aus der Praxis bzw. auf die grundsätzlich begrenzte Aussagekraft solcher Gutachten hin.

 

Dementsprechend häufig ist die Sentenz zu hören, dass Evaluations­studien Antworten auf Fragen geben, die so keiner gestellt hat, und sich deshalb jeder aus den Ergebnissen heraussucht, was als Beleg für die eigenen Interessen dient. Und wenn dies nicht möglich ist, zieht man sich auf allgemein anzweifelnde Sinnsprüche zurück, z.B. „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!“

  

Doch gerade im Kulturbereich führen solche Diskussionen meist auch ins Grundsätzliche, z.B. zu der Frage nach der Meta-Wirkung solcher Studien auf die Kulturpolitik jenseits aller Sparauseinandersetzungen, und man verweist dabei auf folgende Gefahren:

 

- Verlagerung zentraler kulturpolitischer Entscheidungen aus den demokratisch gewählten Parlamenten auf einen kleinen Zirkel von Experten und somit Preisgabe der kommunalen Verantwortung.

 

- Verschleierung der kulturpolitischen Entscheidungsprozesse, da für die Betroffenen zwar die konkreten Empfehlungen aus Evaluationsstudien zu verstehen sind, nicht aber die zum Teil nur von Experten nachvollziehbaren Methoden. 

 

- Scheinobjektivität, da über das komplexe Instrumentarium empirischer Forschungsmethoden zwar beeindruckende Zahlenwerke präsentiert werden können, doch damit nicht das Wesen(tliche) der Kulturarbeit erfasst wird.

  
Allerdings sind diese Gefahren schon lange bekannt und im Spannungsverhältnis von Politik und Expertentum unvermeidlich.
 

Es kommt deshalb nicht darauf an, neue Methoden für Erfolgskontrolle bzw. Evaluation im Kulturbereich zu entwickeln, sondern darauf, die in diesen objektivierenden Methoden liegenden Gefahren zu erkennen und ihnen zu begegnen. Am ehesten gelingt dies, wenn die allen Evaluationsstudien innewohnenden Spannungsverhältnisse bei der  Durchführung und  der Auswertung berücksichtigt werden, nämlich das Spannungsverhältnis

 
- von Zielsetzung und Methoden: keine Evaluation ohne klare Auftragslage bzw. präzise Zielsetzung, keine Indikatoren, die nicht direkt auf die Fragestellung bezogen sind, 
 

- 
von Verständlichkeit und wissenschaftlicher Präzision: ggf. lieber aussagekräftige Einzel-Indikatoren statt schwer nachvollziehbarer Clusteranalysen aus einer Fülle gewichteter Abstraktfaktoren.  

-
von Geld und Kultur bzw. Auftraggeber und Auftragnehmer, einem zentralen Punkt, der nachfolgend genauer betrachtet werden soll.   

3 valor et cultura  

Evaluation kommt von lateinisch „valor“, der Wert. Bei Kultur-Evaluation geht es im Wortsinn also um den Wert bzw. die Bewertung von Kultur bzw. ihrer Produkte und Prozesse, und somit ihrer Leistungen.  Diese Bewertung ist so alt wie die Kunst- und Kulturproduktion selbst, ja sie ist mit ihr untrennbar verbunden, gehört sozusagen zum Wortsinn:  Denn wer Werte erhalten und weiterentwickeln will, muss sie pflegen bzw. ihr  „cultura“ (lat. Pflege) angedeihen lassen.  Und wer pflegen bzw. kultivieren will, muss auch bewerten, er muss, um beim Kultivierungsbild zu bleiben, entscheiden, wo einerseits gepflanzt und gedüngt und wo andererseits gejätet und beschnitten wird. 

 

Die Entscheidung darüber hängt von der (kulturellen) Leitidee ab. In einem Nutzgarten sind andere Pflegemaßnahmen notwendig als in einem englischen Park oder in einem Blumengarten  - so wie sich Kulturpolitik, die vorrangig deren Wirtschafts- und Tourismusfunktion im Blick hat, anders gestaltet als jene, die sich vor allem an  Identitätsstiftung und Gemeinwesen orientiert.

 

Die Bewertung von Kulturleistungen und die Auseinandersetzungen darüber sind sozusagen Kultur-Bestandteil. Was wären z.B. Theateraufführungen und Ausstellungen ohne die anschließenden Gespräche der Besucher, Rezensionen der Kritiker, Leserbriefe von Anhängern und Gegnern usw.? Diese Kontroversen, wo es oft genug um die Frage geht, ob das Gesehene bzw. Gehörte gut oder schlecht oder überhaupt noch Kunst war, sind nicht nur Hefe und  Salz des Kulturlebens, sondern dessen unverzichtbarer Bestandteil.

 

Wenn es aber so schwierig bzw. unmöglich ist, Kunst allgemeingültig zu definieren (Andreas Mäckler z.B. zitiert „1460 Antworten auf die Frage: Was ist Kunst?“), dann wird es mit deren  objektiver Messung natürlich schwierig.  Und ganz allgemeine Definitionen wie „Letztlich ist Kunst Kunst“ (Kurt Brehm) oder „Kunst ist die Definition von Kunst“ (Josef Kosuth) bringen auch keine Ansatzpunkte für Messindikatoren.

 

In diesem Zusammenhang bekommt man immer wieder eine Volksweisheit zu hören: „Kunst kommt von können und nicht von wollen, sonst hieße es Wunst“.  Doch dieser früher einmal lustige Hinweis auf die notwendigen handwerklichen Fähigkeiten eines Künstlers führt hier auch nicht weiter. Denn gutes Handwerk ist noch kein Kunstwerk. Es fehlt, ... ja das so schwer Definierbare, eben das, was das Handwerk vom Kunstwerk unterscheidet. Manche nennen es den „Kuss des Pegasus“.

 

Deshalb entscheidet erst einmal der Künstler ganz für sich selbst, bewusst oder unbewusst, was „seine“ Kunst ist, welchen Pegasus er reitet, welche Leitidee, welchen künstlerischen Entwurf er in sich trägt, bevor er sich überhaupt an das Kunstwerk macht. Und auch der Betrachter bzw. Hörer des Ergebnisses von des Künstlers Mühen kann ganz für sich selbst entscheiden, ob ihm das gefällt, aufregt, ein auratisches Erlebnis vermittelt, ...  - und: ob er das als ein gelungenes Kunstwerk ansieht.

 

Individuell kann man also relativ unkompliziert über die Qualität entscheiden, eben rein subjektiv. Doch intersubjektiv ist das Wesen von Kunst und Kultur, das persönlich so klar zu sein scheint,  kaum zu fassen, zumal es wesentlich von der Wechselbeziehung zwischen Künstler und Publikum, zwischen „Kunstgeber und Kunstnehmer“ bestimmt wird.
 

  Bezeichnenderweise lassen sich die meisten Künstler von der Bewertung durch ihr Publikum stark beeinflussen, z.B. durch Beifall, insbesondere aber auch durch zahlende Kunstabnehmer bzw. Auftragsgeber, durch Besucher- und Absatzzahlen, Stipendien, Preise, zur Verfügung gestellte Ateliers, Probenräume, Presseberichte,  Rezensionen, Druckkostenzuschüsse, Terminvorgaben, Gagen, Festanstellungen, ... usw. 

Unser klassisches Musikrepertoire z.B. gäbe es so nicht bzw. sähe ganz anders, in jedem Falle auch ärmer aus, hätten nicht die weltlichen und kirchlichen Fürsten für die entsprechenden Rahmenbedingungen gesorgt und Werke in Auftrag gegeben. Dabei  haben sich diese Kunstförderer, die oft genug auch Kunstforderer waren, über Jahrhunderte hinweg kaum an objektiven Kriterien orientiert bzw. sich diese Kriterien bewusst oder gar anderen transparent gemacht, ganz zu schweigen von Versuchen, die Leistungen ihrer Kunstangestellten objektiv zu messen, sondern für sie waren Tradition und Mode und vor allem ihr eigener persönlicher Geschmack ausschlaggebend, der wiederum von mehr oder weniger guten Künstlern geprägt war, mit denen sich die adeligen und geistlichen Mäzene bzw. Auftraggeber umgaben, und natürlich auch vom Image, das der Fürst mit bestimmten Kunstprodukten verknüpfte.

 

In nach-feudalen Zeiten verlagerte sich die Kunst- und Kulturbewertung bzw. die Entscheidung darüber, welche Kunst gefördert und bezahlt wird, auf gewählte Gremien, in denen meist Kulturexperten (manchmal zusammen mit Politikern) als Jury-Mitglieder fungieren. In solchen weitgehend anonymen Jurys wird heutzutage über Fragen von Weltkulturerbe und Kulturhauptstadt ebenso entschieden wie über die Goldene Kamera oder den Oscar,  über Gewinner von Jugend musiziert, den „Faust“ des Deutschen Bühnenvereins oder den Literatur-Nobelpreis. Klar, dass die Kriterien einer herausragenden Kulturleistung je nach Umfeld variieren, bei einem Verlegerpreis beispielsweise anders akzentuiert sind als bei der Auszeichnung eines schriftstellerischen Lebenswerks durch eine Kommission von Literaturkritikern.

 

Dass Einzelpersonen über Kultur- und Künstlerförderung alleine entscheiden ist heutzutage eher die Ausnahme. Dies ist durchaus auch als Ausdruck der Demokratisierung unserer Gesellschaft zu sehen, wie auch die Tatsache, dass das Verfahren zur Benennung der Jurymitglieder und die Kriterien für ihre (Preis)Entscheidungen offen gelegt sind. Und jeder, der damit schon konfrontiert war, weiß, wie ernsthaft in solchen Gremien die Argumente vor dem Juryspruch in aller  Regel untereinander abgewogen werden. Trotzdem haben auch derart gewonnene Expertenurteile nichts mit objektiver Qualitätsmessung von Kulturerzeugnissen zu tun. Denn dadurch wird, methodisch betrachtet, lediglich die Subjektivität ein Stück weit „gemittelt“.

 

Entscheidungen als Einzelpersonen fällen nur Mäzene, die ohne öffentliches Bohai individuell „ihre Künstler“ finanziell fördern - ganz nach eigenem gusto. Doch Mäzene sind heute selten geworden.

 

Dafür gibt es immer mehr Sponsoren. Meist sind dies Firmen, die mit ihrer Künstler- und insbesondere Event-Förderung konkrete Marketing­interessen verfolgen. Denn über Kultur lässt sich ganz gezielt eine interessante marktrelevante Zielgruppe ansprechen, die über traditionelle Anzeigen und Wurf-Werbung so nie erreicht, geschweige denn emotional an die sponsernde Firma gebunden werden könnte. Häufig bedienen sich auch die Sponsoren der Experten-Urteile via Jury, um über ihre Fördermaßnahmen zu entscheiden. Doch orientieren sich hier die Förderkriterien und Jury-Zusammensetzung auch durchaus daran, dass deren Entscheidungen den damit verknüpften Marketing-Entscheidungen nicht  entgegenstehen. In diesen Zusammenhängen definiert sich Kultur-Leistung natürlich völlig anders als etwa beim Kultur-Kapitel im kommunalen Wahlkampfprogramm.

 

In vielen Städten treten die städtischen Gesellschaften (Sparkasse, Stadtwerke, Wohnungsbau etc.) als die wichtigsten Sponsoren auf, schon rein quantitativ, aber auch qualitativ, weil sie oft die letzte Rettung für die Weiterfinanzierung von Kulturleistungen sind, die bislang aus dem städtischen Haushalt bezahlt wurden, was wiederum für andere Kriterien der Kulturförderung spricht. 

 

Insgesamt sollte man die Bedeutung des Kultur-Sponserings  aber nicht überschätzen, auch wenn das Gesamtaufkommen in den letzten Jahren gestiegen ist. Ca. 5 % der gesamten Kulturausgaben, so ist in manchen Studien zu lesen, werden inzwischen durch Sponsering gedeckt. Doch werden dadurch kaum die seit Jahren erfolgten Kürzungen im Kultur-Etat ausgeglichen. Unter der Hand klagt so mancher Kulturpolitiker, dass man inzwischen für die Förderung der gewachsenen Strukturen in der Stadt weder Geld noch Personal habe, was aber überdeckt würde durch fortwährende „Festivalitis“, die ohne Sponsoren wiederum gar nicht denkbar wäre. So kann es in manchen Städten geschehen, dass die Öffnungszeiten von Archiv und Museen eingeschränkt, der Bücherbus abgeschafft, Jugendmusikschulen, Stadtteilbibliotheken und Magazine geschlossen werden, um kulturelle Großereignisse finanzieren zu können.

 

Dass dies für ein Gemeinwesen nicht gut sein kann, wissen die Politiker, nicht nur jene, die für die Kultur verantwortlich zeichnen, zumal sie  dauerhaft und heftig durch die Proteste der Kulturleute in ihrer Stadt daran erinnert werden. Es ist aber auch eine Zwickmühle: Einerseits ist es unverantwortlich, die differenzierten kulturellen Stadt(teil)strukturen nicht mehr (finanziell) zu pflegen, sie gar verloren zu geben, andererseits kann die Stadt auch nicht ein durchaus identitätsstiftendes, weil seit Jahren mit überregionaler Ausstrahlung durchgeführtes kulturelles Großereignis einfach aufgeben. Beide haben ihren hohen Wert für die Stadt, beide müssen gepflegt werden.  Doch leider ist nicht genug Geld für beide da.

 In dieser Situation ruft man gerne nach Gutachtern und bittet sie, Evaluationsstudien durchzuführen. Damit verknüpft man zweierlei Erwartungen


1.  Hinweise auf strukturelle Defizite im kommunalen Kulturbetrieb, so dass man durch Verbesserungen im Betriebsablauf, Auslagerungen, Ausnutzung von Synergieeffekten, neue Betriebsformen, Kooperationen usw.  bei gleichbleibendem Kulturangebot finanzielle Einsparungen vornehmen kann.

 

2. Überprüfung der „Kulturleistungen“, also wie „der output“ von Museen, Theater, VHS, Bibliotheken usw. zu bewerten ist. Hierzu werden häufig Besucher- und Veranstaltungszahlen, Einnahmequoten etc. zwischen verschiedenen Städten verglichen („benchmarking“), bei manchen in der stillen Annahme, man könne hierdurch Argumente für Schließungen bekommen, nämlich solcher Institutionen, deren Leistungen allzu viel zu wünschen übrig lassen.

  

zu 1: Diese Erwartungen erfüllen die Evaluationsstudien in der Regel, d.h. sie geben Hinweise, wo man durch Strukturverbesserungen sparen kann, wenngleich durch inzwischen mannigfach erfolgte Reformen im Zuge des Neuen Steuerungsmodells der KGSt nicht mehr so viel Optimierungspotenzial vorhanden ist wie früher.

 

zu 2: Auch gegen solide Städte- bzw. Institutionenvergleiche ist nichts einzuwenden. Sie können durchaus wichtige Anregungen für Innovationen und Strukturverbesserungen geben. Das Problem beginnt mit den „objektiven“ Messversuchen am kulturellen output und endet in einem grandiosen Missverständnis zwischen Politikern, Künstlern und Kulturmanagern, nämlich darüber, was Kultur leisten soll und was Evaluationsstudien leisten können. 


4 Messen und Bewerten
 
 

Wie dargestellt, sind die Auseinandersetzungen darüber, was gute, schlechte bzw. überhaupt Kunst ist, so alt wie die Kunst selber, ja sie sind sogar Bestandteil der Kunst, weil ein Kunstwerk oft erst durch den Verlauf dieser Auseinandersetzungen zum vieldiskutierten, ggf. auch geachteten Kunstwerk wird. Objektiv messbar ist daran zunächst einmal gar nichts. Denn demoskopische Umfragen - ein durchaus objektives Messverfahren - helfen bei der Frage „Was ist Kunst?“ nicht weiter, und auch keine parlamentarischen Beschlüsse, wenngleich es schon vorgekommen sein soll, dass in einer Fraktionssitzung darüber abgestimmt wurde, ob das eben präsentierte Modell der geplanten Marktplatzskulptur tatsächlich Kunst sei. Politiker, Stifter und Sponsoren verlassen sich in der Regel lieber auf das zwar kriteriengeleitete, aber immer auch subjektive Urteil von Experten, und das ist meist gut so, zumal die Subjektivität des Juryspruchs durch den Diskurs dieser Experten untereinander noch relativiert wird (s.o.).

  

Dies alles ist Ausdruck davon, dass sich die „schönen Künste“ einem objektiven Diagnosesystem weitgehend entziehen, insbesondere wenn es darum geht, die künstlerischen Leistungen in gut-schlecht-Kategorien einzuteilen. Da aber diese „schönen Künste“ finanziell den dicksten Brocken der kommunalen Kulturpolitik ausmachen - manchenorts verschlingen Museen, Theater und Orchester weit mehr als zwei Drittel des gesamten Kultur-Etats - sieht es mit der objektiven Kulturmessung insgesamt mau aus, zumal es auch über „Kultur“ keine allgemein verbindlichen Definitionen gibt.

 

Man kann lediglich feststellen, dass das Verständnis davon, was Kunst und Kultur ausmacht, sich immer mehr ausweitet und vielschichtiger wird. Und dies erschwert beabsichtigte Messungen von Kulturleistungen noch zusätzlich.

  

Hilfreich ist es angesichts dieser Situation, im Evaluationsprozess zwischen Messen und Bewerten als zwei unabhängig aufeinander folgende Arbeitsschritte zu unterscheiden.

 

Zum Messen braucht man bestimmte Erhebungsmethoden, die möglichst objektiv, zuverlässig (reliabel) und gültig (valide) sein sollen, was bedeutet, dass bei Wiederholung der Studie durch andere, die aber dieselben Methoden einsetzen, weitgehend dieselben Ergebnisse herauskommen, und dass diese Ergebnisse gültige Antworten auf die gestellten Fragen geben.

 

Vor allem die Frage der Gültigkeit wird allerdings häufig außer Acht gelassen, also ob das Gemessene tatsächlich das Wesen der Kulturleistung ausmacht. Zum Beispiel kann man relativ problemlos die Anzahl der jährlich ausgeliehenen Bücher, der Besucher von Ausstellungen, der Publikationen des Stadtarchivs feststellen, die Einnahmequote des Museums oder die Kosten pro Sitzplatz im Theater usw. ausrechnen oder auch die Feuilletons danach durchzählen, wie oft  man erwähnt wurde. Zweifellos kann man damit auch etwas über die quantitativ messbaren Leistungen dieser Kulturinstitutionen aussagen und, im Vergleich mit anderen Institutionen, auch Hinweise auf Stärken und Schwachstellen finden - doch die Frage der Qualität bleibt davon weitgehend unberührt.

 

Denn die qualitativen Leistungen ergeben sich erst durch eine Bewertung im Gesamtzusammenhang des Kulturlebens, insbesondere der kulturellen Leitziele einer Stadt. Zwar hat jegliche Stadtkultur immer sowohl eine ideelle als auch eine ökonomische Funktion mit entsprechenden Leitzielen, doch die Akzente werden zum Teil sehr unterschiedlich gesetzt. Und dementsprechend unterschiedlich werden  auch „objektive Kulturzahlen“ bewertet. Lange Warteschlangen vor Ausstellungen und permanent ausverkaufte Häuser verdienen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten in jedem Falle das Markenzeichen „Bestleistung“. Falls dies aber vor allem durch Skandale und Provokationen oder seichten Mainstream erreicht wurde, stellt sich die Qualitätsfrage anders, z.B. ob dadurch ein Imageschaden entstanden ist und welchen Einfluss dies auf das kulturelle Klima der Stadt hat - und vor allem, auf Kosten welcher gewachsenen Strukturen der Stadtkultur dies, angesichts der Haushaltskürzungen, realisiert wurde.

 

Umgekehrt ist offenkundig, dass Institutionen bzw. Veranstaltungsreihen, die dauerhaft unter Besucherschwund leiden, bei Publikum und Feuilleton schlecht beurteilt oder gar kaum noch wahrgenommen werden, aber die Stadt sehr viel Geld kosten, auf dem falschen Weg sind. 

  
5 Zusammenfassung
 

Evaluationsstudien bzw. objektivierende Messverfahren können im Kulturbereich durchaus mit Gewinn eingesetzt werden (Schaffung von Transparenz, Diskurs, Innovation, Effizienz etc.) - allerdings nur, wenn vorher die Leitziele der kommunalen Kulturpolitik und die daraus sich ergebenden Fragestellungen präzise formuliert wurden, weil sich nur daraus gültige Indikatoren für gelungene Kulturarbeit ableiten lassen. Und erst in diesem Zusammenhang kann das Gemessene auch bewertet werden.


 Doch genau daran hapert es häufig: Evaluationsstudien werden allzu oft in Auftrag gegeben, weil man sich seitens der (derzeit dominierenden Finanz-)Politik daraus lediglich Hinweise auf Einsparmöglichkeiten erhofft und zugleich die Verantwortung dafür ein Stück weit auf letztlich anonyme Berater bzw. wissenschaftliche Studien lenken kann. Dementsprechend reflexhaft verlaufen auch die öffentlichen Diskussionen über die Ergebnisse solcher Studien. 

Doch selbst wenn alles optimal läuft, wenn die Leitziele formuliert, die notwendigen Vorgespräche mit Politik, Verwaltung und Kulturleuten konstruktiv verlaufen sind, wenn angemessene Methoden eingesetzt und die Ergebnisse in öffentlichem Diskurs bewertet und schließlich in kulturpolitisches Handeln umgesetzt werden, so ändert dies nichts an der Tatsache, dass es keine „objektiv richtigen“  kulturpolitischen Entscheidungen gibt, auch nicht auf Basis differenziertester Evaluationssmethoden, sondern allenfalls plausible Entscheidungen mit Blick auf transparente Kulturzielsetzungen.

 

  

Prof. Dr. Wolfgang W. Weiß, Universität Bremen, Musiklehrer, Dipl.-Päd., DFG-Preisträger im Bereich empirische Sozialforschung, war u.a. 10 Jahre als Kulturdirektor bei Prof. Dr. Hermann Glaser in Nürnberg und zuletzt 14 Jahre als Schul- und Kulturdezernent in Bremerhaven tätig.